Was bedeutet nachhaltiges und verantwortungsvolles Reisen in Vietnam?
Nachhaltig und verantwortungsvoll zu reisen bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die die negativen Auswirkungen deiner Reise auf Natur, lokale Gemeinschaften und Kultur möglichst gering halten.
Das heißt nicht, dass du keine beliebten Reiseziele mehr besuchen darfst oder Reisen plötzlich kompliziert werden muss. Es geht vor allem darum, bewusster darüber nachzudenken, wie du reist, wo dein Geld landet und wie du dich als Gast in einem anderen Land verhältst.
Die echten Auswirkungen des Tourismus auf Vietnam
Der Tourismus bringt Vietnam viele Vorteile. Er schafft Arbeitsplätze, unterstützt lokale Unternehmen und sorgt für Einkommen in Regionen, die sonst nur wenige wirtschaftliche Möglichkeiten haben.
Gleichzeitig setzt der Tourismus viele Orte aber auch unter Druck.
Die Halong-Bucht kämpft seit Jahren mit Umweltverschmutzung und Massentourismus. In Orten wie Phu Quoc und Da Nang wurden große Teile der Küste in kurzer Zeit mit Resorts und Hotels bebaut. In Bergregionen wie Sapa und Ha Giang hat der Tourismus traditionelle Kulturen verändert und teilweise kommerzialisiert. Außerdem bleibt Plastikmüll in ganz Vietnam ein großes Problem – besonders entlang von Flüssen, Stränden und in Naturgebieten.
Das bedeutet nicht, dass du als Besucher das Problem bist. Es bedeutet vor allem, dass kleine Entscheidungen einen Unterschied machen: wo du übernachtest, bei wem du buchst, wo du isst und wie du mit lokalen Gemeinschaften umgehst.
Darum geht es beim nachhaltigen Tourismus in Vietnam letztlich.
1. Wähle lokale und unabhängige Unternehmen
Eine der direktesten Möglichkeiten, verantwortungsvoll durch Vietnam zu reisen, ist es, dein Geld bei lokalen Unternehmen auszugeben.
Das bedeutet zum Beispiel, in kleinen Familienrestaurants statt bei internationalen Ketten zu essen, bei lokal geführten Reiseveranstaltern zu buchen und Produkte von Menschen zu kaufen, die sie wirklich selbst herstellen oder lokal einkaufen.
Der Unterschied ist größer, als viele denken. Wenn du in einem kleinen Pho-Restaurant isst oder einen Guide aus der Region engagierst, bleibt das Geld innerhalb der Gemeinschaft. Bei großen internationalen Buchungsplattformen, ausländischen Hotelketten oder Resorts verlässt ein großer Teil des Geldes letztlich Vietnam.
Besonders in ländlichen Regionen wie Ha Giang, Mai Chau oder Pu Luong kann Tourismus einen enormen Einfluss auf das lokale Einkommen haben. Dort ist die Wahl einer lokal geführten Homestay statt eines großen kommerziellen Resorts oft eine der sinnvollsten Entscheidungen überhaupt.
Es ist nicht immer sofort klar, wem eine Unterkunft oder ein Reiseunternehmen gehört. Eine gute Faustregel: Wenn ein Unternehmen fast nur über große internationale Plattformen sichtbar ist und kaum Verbindung zur lokalen Gemeinschaft zu haben scheint, lohnt es sich oft, etwas genauer hinzuschauen.
Bewertungen lesen, Einheimische fragen und direkt buchen hilft oft schon enorm.
2. Übernachte in lokal geführten Unterkünften
Die Unterkunft gehört zu den größten Ausgaben deiner Reise – und damit auch zu den wichtigsten Entscheidungen, wenn du nachhaltig durch Vietnam reisen möchtest.

Vietnam hat unglaublich viele lokal geführte Unterkünfte: kleine Hotels, Guesthouses, Homestays und Lodges von Familien aus der Region. Sie sind nicht immer perfekt oder luxuriös, sorgen aber oft gerade deshalb für die persönlichsten Erfahrungen.
Du hast mehr Kontakt zur Umgebung, lernst schneller lokale Menschen kennen und weißt gleichzeitig, dass dein Geld direkt an eine vietnamesische Familie oder einen kleinen Unternehmer geht.
Internationale Hotelketten schaffen zwar Arbeitsplätze, aber ein großer Teil des Gewinns verlässt am Ende das Land. Bei wirklich lokal geführten Unterkünften bleibt deutlich mehr Geld innerhalb der Gemeinschaft.
Homestays spielen dabei eine besondere Rolle. Vor allem in Nord- und Zentralvietnam bilden sie oft die Grundlage für gemeinschaftsbasierten Tourismus. In einem traditionellen Haus zu schlafen, gemeinsam mit einer Familie zu essen und mehr vom Alltag mitzubekommen macht eine Vietnamreise meist deutlich besonderer als ein normales Hotelerlebnis.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Unterkunft, die sich „Homestay“ nennt, ist auch wirklich eine Homestay. Vor allem rund um bekannte Trekkinggebiete sind manche sogenannten Homestays einfach kommerzielle Unterkünfte ohne echte Verbindung zur lokalen Gemeinschaft.
Ein wenig Recherche vorher hilft, den Unterschied zu erkennen.
3. Vermeide Einwegplastik
Vietnam hat ein ernstes Problem mit Plastikmüll. Entlang von Straßen, Flüssen und Stränden sieht man vielerorts Plastikabfälle, auch weil die Müllentsorgung nicht überall gut organisiert ist.


Als Reisender bist du natürlich nicht die Hauptursache des Problems, aber du kannst bewusst versuchen, weniger dazu beizutragen.
Der einfachste Schritt ist eine wiederverwendbare Wasserflasche. Leitungswasser in Vietnam ist nicht trinkbar, aber viele Hotels, Cafés und Homestays füllen deine Flasche kostenlos mit gefiltertem Wasser auf. In touristischen Gebieten gibt es inzwischen auch immer mehr Wasserstationen.
Außerdem helfen kleine Gewohnheiten:
- Sag Nein zu Plastiktüten, wenn du sie nicht brauchst
- Lehne Strohhalme ab
- Benutze deine eigenen Toilettenartikel statt Mini-Fläschchen aus Hotels
- Iss möglichst an Orten mit echtem Geschirr statt Einwegverpackungen
Besonders Street Food verursacht oft viel Plastikmüll. Komplett vermeiden lässt sich das kaum, aber kleine Entscheidungen machen langfristig trotzdem einen Unterschied.
4. Respektiere lokale Kultur und Gemeinschaften
Vietnam besteht nicht aus nur einer Kultur. Offiziell gibt es 54 ethnische Gruppen mit eigenen Traditionen, Kleidungen, Sprachen und Bräuchen. Selbst zwischen Nord-, Mittel- und Südvietnam unterscheiden sich soziale Normen oft deutlich.

Respektvolles Reisen beginnt bei einfachen Dingen. Kleide dich in Tempeln und Pagoden angemessen – bedeckte Schultern und Knie werden meistens erwartet. Zieh deine Schuhe aus, wenn du ein Haus betrittst, und verhalte dich in Dörfern und religiösen Orten eher ruhig.
Beim Fotografieren solltest du etwas sensibler sein. In Städten ist Street Photography meist kein Problem, in ethnischen Minderheitendörfern sieht das anders aus. Menschen in traditioneller Kleidung sind keine Touristenattraktion. Frag immer um Erlaubnis, bevor du jemanden fotografierst, und akzeptiere auch ein Nein.
Der Tourismus verändert diese Gemeinschaften ohnehin bereits stark. In Regionen wie Sapa, Ha Giang und Mai Chau kommen Besucher gerade wegen der Kultur – Massentourismus kann diese Kultur aber gleichzeitig langsam verdrängen.
Lokale Guides buchen, Geld innerhalb der Dörfer ausgeben und echtes Interesse zeigen statt nur Fotos zu machen hilft dabei, den Tourismus respektvoller zu gestalten.
Schon ein paar vietnamesische Wörter machen oft einen Unterschied. „Xin chao“ (Hallo) und „cam on“ (Danke) werden fast immer geschätzt.
5. Sei vorsichtig mit Tier-Tourismus
Vietnam hat ein bekanntes Problem mit Tierausbeutung im Tourismus. Manche Formen sind offensichtlich, andere weniger. Zu wissen, was du besser vermeiden solltest, hilft dabei, verantwortungsvollere Entscheidungen während deiner Vietnamreise zu treffen.

Die offensichtlichsten Beispiele sind Elefantenreiten, Tiere für Shows oder Orte, an denen Wildtiere nur zur Unterhaltung gehalten werden. Solche Unternehmen existieren, weil Touristen dafür bezahlen. Wenn du sie meidest, unterstützt du sie automatisch weniger.
Auch bei Souvenirs aus Tierprodukten solltest du vorsichtig sein. Produkte aus Schildkrötenpanzer, Elfenbein, Korallen oder exotischen Tierhäuten werden in manchen touristischen Regionen und Grenzgebieten Vietnams noch immer verkauft. Der Kauf ist illegal und unterstützt direkt den Handel hinter Wilderei und illegaler Jagd.
Schlangenwein – Reiswein mit einer Schlange oder einem Skorpion in der Flasche – wird oft als typisch vietnamesische Spezialität verkauft. Viele der verwendeten Tiere stammen jedoch aus Wildfang, manche Arten stehen unter Schutz. Solche Souvenirs lässt du besser einfach stehen.
Auch Zoos und sogenannte Rettungszentren unterscheiden sich stark in ihrer Qualität. Manche leisten wirklich gute Schutzarbeit, andere funktionieren hauptsächlich als Touristenattraktion. Informiere dich deshalb vorher, ob eine Organisation tatsächlich ernsthaft im Naturschutz aktiv ist.
6. Gib Kindern kein Geld oder Süßigkeiten
Das gehört zu den häufigsten gut gemeinten Dingen, die Touristen in Vietnam tun – und gleichzeitig zu den schädlichsten.

In touristischen Gebieten, besonders rund um ethnische Minderheitendörfer in Nordvietnam, sieht man oft Kinder, die Touristen nach Geld, Süßigkeiten oder kleinen Geschenken fragen. Der Impuls zu helfen ist verständlich, aber langfristig hat das oft negative Folgen.
Kinder lernen schnell, dass Touristen ansprechen mehr bringt als Schule. In manchen Regionen behalten Familien ihre Kinder sogar zuhause, weil Betteln bei Touristen mehr Geld einbringt.
Auch Süßigkeiten verteilen wirkt harmlos, verursacht aber Zahnprobleme in Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung. Gleichzeitig verstärkt es dieselbe Abhängigkeit vom Tourismus.
Wenn du lokale Gemeinschaften wirklich unterstützen möchtest, gibt es bessere Möglichkeiten:
Kaufe Produkte bei erwachsenen Verkäufern
Iss in lokal geführten Restaurants
Buche lokale Guides
Unterstütze soziale Projekte oder Bildungsinitiativen
Nein zu sagen fühlt sich manchmal unangenehm an, ist aber oft die verantwortungsvollste Entscheidung.
7. Nutze Verkehrsmittel bewusst
Wie du durch Vietnam reist, hat oft größere Auswirkungen auf die Umwelt als viele andere Entscheidungen während deiner Reise.

Vietnam ist ein langes Land und Inlandsflüge wirken oft verlockend, aber für viele Strecken gibt es nachhaltigere Alternativen.
Der Zug ist die umweltfreundlichste Möglichkeit, zwischen größeren Städten zu reisen. Der Reunification Express fährt von Hanoi bis Ho-Chi-Minh-Stadt und bietet Schlafwagen für längere Strecken. Die Fahrt dauert länger als ein Flug, aber du siehst deutlich mehr vom Land und vermeidest Flughäfen komplett.
Für Strecken wie Hanoi–Hue, Hue–Da Nang oder Da Nang–Nha Trang gehört der Zug oft sogar zu den angenehmsten Reisemöglichkeiten.
Schlafbusse sind eine weitere Option für mittlere Distanzen. Sie sind günstig, weit verbreitet und verursachen immer noch deutlich weniger Emissionen als Flüge.
Innerhalb von Städten sind Grab-Bikes, Fahrräder oder einfach zu Fuß gehen oft die praktischsten Lösungen. Besonders kompakte Städte wie Hoi An entdeckt man zu Fuß oder mit dem Fahrrad viel besser als aus einem Taxi heraus.
Manchmal lässt sich ein Flug allerdings kaum vermeiden, zum Beispiel nach Phu Quoc oder Con Dao. Dann bringt es wenig, sich deswegen schlecht zu fühlen. Der größere Unterschied entsteht meist dadurch, weniger oft zu fliegen und länger an einem Ort zu bleiben.
8. Buche einen lokalen Guide
Einen lokalen Guide zu buchen gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, verantwortungsvoll durch Vietnam zu reisen.

Der Vorteil ist sofort sichtbar: Dein Geld geht direkt an jemanden aus der Region statt an eine große Plattform oder ein internationales Unternehmen. Gleichzeitig wird die Erfahrung fast immer besser.
Ein lokaler Guide kennt Wege, Dörfer, Traditionen und Restaurants, die du alleine kaum finden würdest. Besonders in ethnischen Minderheitenregionen wie Ha Giang, Sapa, Mai Chau und Pu Luong macht ein Guide aus der Region einen riesigen Unterschied.
Sie sprechen oft die lokale Sprache, kennen die Gemeinschaften persönlich und wissen, welche Dörfer Besucher willkommen heißen – und welche lieber ihre Ruhe haben möchten.
Wenn du einen Guide suchst, achte auf ein paar Dinge:
Kommt der Guide wirklich aus der Region?
Arbeitet er oder sie mit lokalen Gemeinschaften zusammen?
Hat der Guide Erfahrung oder Zertifizierungen?
Wie sind die Bewertungen anderer Reisender?
Persönliche Empfehlungen und ehrliche Bewertungen bleiben meist die beste Möglichkeit, gute lokale Guides zu finden.
9. Wähle Touren, die etwas zurückgeben
Nicht alle Reiseveranstalter arbeiten gleich. Manche Unternehmen investieren wirklich in die Gemeinschaften, in denen sie tätig sind, während andere einfach möglichst viele Touristen über dieselbe Route schleusen möchten.
Diesen Unterschied erkennt man nicht immer sofort auf einer Website, aber es gibt einige Hinweise.
Arbeitet das Unternehmen mit lokalen Guides und lokalen Lieferanten? Nutzen sie lokal geführte Unterkünfte? Gibt es Richtlinien für respektvolle Besuche ethnischer Minderheiten? Unterstützen sie Projekte in der Region?
In Vietnam gibt es verschiedene soziale Unternehmen und gemeinschaftsbasierte Reiseveranstalter, die einen Teil ihrer Einnahmen in Bildung, Gesundheitsversorgung oder lokale Entwicklung investieren.
Auch Community-based Tourism wächst in manchen Regionen. Im besten Fall bedeutet das, dass Dörfer selbst entscheiden, wie Tourismus organisiert wird, wie viele Besucher sie empfangen und wie die Einnahmen verteilt werden.
Schon ein paar Fragen vor der Buchung sagen oft viel darüber aus, wie ernst ein Unternehmen nachhaltigen Tourismus in Vietnam wirklich nimmt.
Tipp: Schau dir unsere gemeinschaftsbasierte Lodge in Ha Giang an.
10. Verhalte dich bewusst in Naturgebieten
Vietnam hat einige der beeindruckendsten Naturlandschaften Südostasiens – von Kalksteinbergen und tropischen Wäldern bis zu riesigen Höhlensystemen und Küstenlandschaften. Gleichzeitig stehen viele dieser Orte durch den wachsenden Tourismus stark unter Druck.

Die Grundregeln sind eigentlich einfach:
- Bleib auf markierten Wegen
- Hinterlasse keinen Müll
- Störe keine Tiere
- Nimm nichts aus der Natur mit
Trotzdem machen viele Besucher kleine Ausnahmen – kurz vom Weg abweichen für ein Foto oder in einer Höhle doch etwas anfassen. Einzelne Personen wirken harmlos, aber tausende Besucher zusammen eben nicht.
Höhlen verdienen besondere Aufmerksamkeit. In Phong Nha-Ke Bang liegen einige der beeindruckendsten Höhlen der Welt, gleichzeitig sind sie sehr empfindlich. Felsformationen zu berühren verursacht Schäden, deren Heilung teilweise tausende Jahre dauert.
Die Halong-Bucht ist ein weiteres deutliches Beispiel für ein Naturgebiet unter Druck. Umweltverschmutzung und Müll sind dort seit Jahren ein Problem – vor allem wegen der enormen Zahl an Kreuzfahrten und Besuchern. Eine Bootsgesellschaft mit ernsthaftem Umweltkonzept zu wählen, keinen Müll über Bord zu werfen und Einwegplastik zu reduzieren sind kleine Entscheidungen, die zusammen trotzdem einen Unterschied machen.
11. Unterstütze Naturschutz statt Ausbeutung
Vietnam gehört zu den artenreichsten Ländern Asiens, gleichzeitig gibt es aber auch einen großen illegalen Handel mit Wildtieren.
Als Reisender begegnet dir das manchmal direkt oder indirekt – auf Märkten, in Souvenirshops oder sogar auf Speisekarten.
Produkte aus Schildkrötenpanzer, Korallen, exotischen Tierhäuten oder anderen geschützten Arten werden in Teilen Vietnams weiterhin verkauft. Auch traditionelle Medizin mit tierischen Bestandteilen kommt vor.
Außerdem servieren manche Restaurants in ländlichen Gebieten wild gefangene Tiere wie Schleichkatzen, Stachelschweine oder Warane als „lokale Spezialität“. Selbst wenn du nur aus Neugier so etwas probierst, unterstützt du letztlich den Druck auf wilde Tierbestände.
Zum Glück gibt es auch Organisationen in Vietnam, die sich ernsthaft für Naturschutz einsetzen. In Nationalparks wie Cat Tien und Phong Nha gibt es Bildungs- und Rettungszentren, die wirklich an Schutzprojekten arbeiten.
Die wichtigste Regel bleibt einfach: Wenn Wildtiere hauptsächlich deshalb genutzt werden, weil Touristen dafür bezahlen, solltest du kritisch hinterfragen, ob du das unterstützen möchtest.
12. Gib bewusst Trinkgeld
Trinkgeld ist in Vietnam nicht verpflichtend, macht aber durchaus einen Unterschied für Menschen, die im Tourismus arbeiten – besonders für Guides, Fahrer und Mitarbeiter kleiner lokaler Unternehmen.
Eine gute Faustregel: Wenn jemand persönlich zu einer besseren Erfahrung während deiner Vietnamreise beigetragen hat, ist Trinkgeld absolut passend.
Für lokale Guides oder Tagestouren sind €5–10 üblich. Bei mehrtägigen Touren mit festem Guide liegen €10–20 pro Tag nahe, abhängig von der Qualität der Erfahrung.
In Massagesalons und einfachen Restaurants reichen meistens €1–2. In gehobenen Spas oder Restaurants kannst du etwas mehr geben, wenn der Service wirklich gut war.
Wichtig ist vor allem, dass das Trinkgeld direkt bei der Person landet, die die Leistung erbracht hat – und nicht nur beim Unternehmen selbst.
13. Reise langsamer
Vielleicht ist die nachhaltigste Sache, die du in Vietnam tun kannst, gleichzeitig auch eine der schönsten Arten zu reisen: langsamer reisen.
Viele klassische Routen versuchen Hanoi, Halong-Bucht, Hue, Hoi An und Ho-Chi-Minh-Stadt in zwei Wochen unterzubringen. Das funktioniert zwar, führt aber oft zu viel Transport, wenig Ruhe und einer Reise, die eher wie eine Checkliste wirkt als wie echtes Erleben.
Mehr Zeit an weniger Orten verändert die Reise komplett.
Fünf Tage in Hoi An statt zwei bedeuten, dass du mehr entdeckst als nur die Altstadt. Eine Woche in Ha Giang gibt dir Zeit, Dörfer wirklich kennenzulernen statt nur schnell die Loop abzufahren. Länger zu bleiben sorgt meist für bessere Gespräche, spontanere Momente und eine stärkere Verbindung zu einem Ort.
Auch aus Nachhaltigkeitssicht macht das einen Unterschied. Weniger Ortswechsel bedeuten weniger Flüge, weniger Transport und mehr Geld, das lokal an einem Ort ausgegeben wird – für Restaurants, Guides, Homestays und kleine Unternehmen.
Vietnam belohnt langsames Reisen mehr als viele andere Länder. Die schönsten Erfahrungen entstehen hier oft gerade dann, wenn du etwas länger bleibst.
Wie Local Vietnam mit nachhaltigem Reisen umgeht
Für Local Vietnam ist nachhaltiges Reisen kein Marketingbegriff, sondern Teil der Art, wie Reisen organisiert werden.
Die Guides, mit denen Local Vietnam arbeitet, kommen aus den Regionen, in denen sie ihre Touren begleiten. In Ha Giang sind das zum Beispiel Hmong- und Tay-Guides aus den umliegenden Dörfern, die die lokalen Gemeinschaften persönlich kennen.
Außerdem arbeitet Local Vietnam möglichst mit lokal geführten Unterkünften, Restaurants und Anbietern zusammen, damit ein größerer Teil des Geldes innerhalb der Region bleibt.
Die Ha Giang Aya Lodge, die eigene Lodge von Local Vietnam in Nordvietnam, wurde aus derselben Idee heraus aufgebaut. Das Personal stammt aus dem umliegenden Hmong-Dorf, es werden lokale Materialien verwendet und die Lodge wurde bewusst klein gehalten, damit sie besser zur Umgebung passt. Auch Aktivitäten wie der wöchentliche ethnische Markt, Trekkingtouren zu lokalen Dörfern und Mahlzeiten mit regionalen Zutaten gehören dazu.
Natürlich ist keine Form von Tourismus komplett ohne Auswirkungen. Reisen bringt immer Veränderungen mit sich – besonders in abgelegenen Regionen. Aber durch bewusste Entscheidungen kannst du als Reisender durchaus zu einer Form von Tourismus beitragen, die sowohl für Besucher als auch für lokale Gemeinschaften besser funktioniert.